STUDENTENBUDE IN BERLIN: TREND ZUR RANDLAGE

Die erste große Herausforderung für Studenten in Berlin ist die Suche nach einer Wohnung. Preisgünstige und zentral gelegene Zimmer in Wohngemeinschaften sind mittlerweile Mangelware. Angehende Akademiker entdecken deshalb Berlins Außenbezirke für sich.

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Für die rund 187.000 Studierenden in Berlin ist die Wohnungssuche besonders schwierig. 

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Rund 3,7 Millionen Menschen leben in Berlin, Tendenz steigend. Da bezahlbarer  Wohnraum leider Mangelware ist und nach wie vor nicht genügend gebaut wird, spitzt sich die Lage immer weiter zu. Gerade für die mehr als 187.000 Studenten in Berlin ist die Lage einmal mehr herausfordernd. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stellte fest, dass die Preiserhöhungen von typischerweise kleinen  Studentenwohnungen in ganz Deutschland weit über der allgemeinen Teuerungsrate liegen. Dafür werteten die Forscher mehr als 80.000 Inserate aus. Den rasantesten Anstieg ermittelte die Erhebung ausgerechnet in Berlin, wo eine Studentenbleibe mittlerweile um mehr als die Hälfte teurer ist als noch im Jahr 2010. Sie kostet heute im Schnitt knapp 10 Euro pro Quadratmeter. Die tatsächlich verfügbaren Angebote liegen jedoch oft weit höher. Und so kommt das Gutachten zu einem klaren Ergebnis: „Für Studenten ist die Lage im Wohnungsmarkt besonders schwierig.“

 

Lange Wartelisten bei Wohnheimen

In der Hoffnung auf einen günstigen Wohnheimplatz wenden sich Erstsemester häufig zunächst an das Studentenwerk (STW). Der Berliner Ableger stellt aktuell insgesamt 9.396 Plätze in 33 Wohnheimen zur Verfügung. Das Problem: Das Angebot reicht gerade einmal für fünf Prozent der Berliner Studenten. Und wer erst einmal einen Platz hat, zieht angesichts einer unschlagbar günstigen Miete wohl auch nicht mehr so schnell aus. „Die Durchschnittsmiete beträgt aktuell 229 Euro monatlich, warm und möbliert“, sagt STW-Sprecher Jürgen Morgenstern. Um die Lage zumindest ein wenig zu entspannen, hat der Berliner Senat schon vor Langem beschlossen, dass die landeseigene Immobilienfirma Berlinovo und die Berliner Wohnungsbaugesellschaften insgesamt 5.000 neue Wohnheimplätze bauen sollen. Die Umsetzung hat begonnen. Bis zur Fertigstellung wird es aber noch eine ganze Weile dauern.

 

Alternative Co-Living

 

Der Großteil der Studenten muss sich also nach Alternativen umsehen. Neuankömmlinge in der Hauptstadt stoßen bei ihrer Suche nach einer Bleibe immer häufiger auf einen noch relativ neuen Wohntrend: Co-Living. Angelehnt ist das Konzept an die inzwischen etablierten Co-Working-Spaces. Dort schätzen vor allem Freiberufler einerseits das Arbeiten in der Gemeinschaft, andererseits die vorhandene Infrastruktur wie moderne IT und Besprechungsräume. Beim Co-Living verhält es sich ähnlich. Wer etwa Mitglied bei „Happy Pigeons“ wird, kann sich für 620 Euro im Monat über ein möbliertes Einzelzimmer, inklusive wöchentliche Reinigung, Communitymanager, Zugang zu Gemeinschaftsflächen, Fahrrädern sowie einen Co-Working-Arbeitsplatz freuen. Und das mitten im angesagten Prenzlauer Berg.

 

Berliner Randlagen sind im Kommen

 

Wer sich die Annehmlichkeiten des Co-Living nicht leisten kann oder will, hat noch eine andere Alternative: Eine Wohnung außerhalb des Zentrums. So wie das früher preisgünstige Neukölln vor einigen Jahren von Studenten „entdeckt“ wurde, bieten heute andere Bezirke letzte Refugien für vergleichsweise günstiges Wohnen. Reinickendorf, Treptow-Köpenick, Lichtenberg oder Marzahn-Hellersdorf sind typische Beispiele für Randlagen, an die noch vor wenigen Jahren kaum jemand dachte – und die bei studentischen Trendsettern mittlerweile immer stärker in den Fokus rücken. Wer also bei der Wohnungssuche nicht mit teils hunderten Bewerbern um eine Zusage buhlen möchte und sich die Mieten in Trend-Lagen wie Neukölln oder Friedrichshain ohnehin nicht leisten kann, der sollte seinen Suchradius unbedingt ein Stück erweitern.